Mütterliches Eigentor

(Dieser Text stammt aus dem Jahr 2005; er soll hier einfach als Beispiel für einen kleinen Alltagstext dienen.)

Ich gehöre ja zu diesen Menschen, die des Morgens gern ihre frisch gewaschene Familie in frisch gewaschenen Klamotten zum Frühstück um sich scharen. Unter der Woche ist das nicht drin, also freue ich mich jedes Wochenende darauf, mit meinem Mann und meinen beiden Söhnen zu frühstücken.

Heute morgen guckt mein beschlafanzugter, frisch aufgestandener großer Sohn mich an und sagt: „Mama, mir tut die Brust weh, ich fühl‘ mich ganz komisch! Warum muss das so sein?“ Als gute Mutter setze ich das Kind in den Sessel, fühle den Puls und stelle fest, dass der ein bißchen unregelmäßig schlägt – recht normal für einen 12-jährigen, der vermutlich momentan mal wieder wächst. Also sag‘ ich: „Na, du wirst mal wieder wachsen, Großer. Da muß das Herz ein bißchen mehr arbeiten und das merkst du eben. Mach‘ dir keine Gedanken.“

Da schaut der Große seinen Vater an, der auch gerade erst aufgestanden ist, und sagt zu dem: „Papa, ich glaube, wir müssen heute im Pyjama frühstücken. Ich bin am Wachsen und möchte meinem Körper erstmal Energie zuführen, bevor ich mich wasche und anziehe!“ Tja, denk‘ ich mir so für mich, da haste jetzt verloren, Mutter…